Zwergkaninchen

Zwergkaninchen
Foto: jimby @ Pixelio

Als Zwergkaninchen werden verschiedene Rassen des Hauskaninchens zusammengefasst. Alle Zwergkaninchenrassen haben gemeinsam, dass sie speziell dafür gezüchtet wurden, um eine bestimmte Größe nicht zu überschreiten. Aufgrund dieser Tatsache erfreuen sich Zwergkaninchen als Haustiere großer Beliebtheit. Auf dieser Webseite möchten wir die Tiere genauer vorstellen und über ihre Haltung informieren.

Zwergkaninchen: Steckbrief

Zwergkaninchen-Steckbrief
Lateinische Bezeichnung Oryctolagus cuniculus forma domestica
Klasse Säugetiere
Ordnung Hasenartige
Familie Hasen
Verbreitungsgebiet weltweit
Lebenserwartung etwa 7 bis 10 Jahre
Größe etwa 20 bis 30 cm (je nach Rasse)
Gewicht etwa 1 bis 2,5 kg (je nach Rasse)
Ernährung Pflanzenfresser
Aktivität dämmerungsaktiv
Haltung Gruppenhaltung
Geschlechtsreife ab 10 bis 12 Wochen
Tragzeit 28 bis 31 Tage

Herkunft und Geschichte

Wenn im deutschsprachigen Raum von Zwergkaninchen die Rede ist, so bezieht sich dies üblicherweise auf die kleinere Zuchtform des Hauskaninchens, die ein beliebtes Haustier darstellt. Diese sollte nicht mit der gleichnamigen und nur in Amerika vorkommenden Hasenart Brachylagus idahoensis verwechselt werden, die ebenfalls als Zwergkaninchen bezeichnet wird. Auf dieser Seite behandeln wir ausschließlich das Haustier Zwergkaninchen.

Auch unsere Haustiere stammen aber letztendlich ursprünglich von den Wildkaninchen ab. Diese sind praktisch auf der ganzen Welt verbreitet. Bereits vor über 2300 Jahren wurden die Tiere von den Phöniziern schriftlich erwähnt. Mindestens seit dieser Zeit wurden Wildkaninchen vom Menschen auch zur Fleischproduktion gezielt in Gehegen gehalten. Im Laufe der Zeit wurden die Wildtiere domestiziert, wodurch das heutige Hauskaninchen entstand. Die gezielte Zucht der Rassen, so wie wir sie heute kennen, begann jedoch erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Körperbau

Zwergkaninchen unterscheiden sich von den Großrassen vor allem in Aussehen und Körperbau. Während die großen Rassen wie zum Beispiel Deutscher Riese ein Gewicht von etwa fünf bis acht Kilogramm erreichen, bleiben Zwergkaninchen mit einem Gewicht von etwa einem bis drei Kilogramm deutlich kleiner. Auch das Aussehen ist etwas anders als bei ihren großen Verwandten. Für Zwergkaninchen charakteristisch ist der in Relation breitere und gedrungenere Körperbau und der meist kürzere und dickere Kopf. Ebenfalls typisch sind die kleineren, bei den meisten Rassen aufgerichteten Stehohren.

Ernährung

Die Verwandten des Wildkaninchens müssen aufgrund ihrer besonderen Verdauung immer Futter zur Verfügung haben. Typisches Futter, das man den Tieren anbieten sollte, sind Gräser, Kräuter, Blätter, Runden, Zweige und Heu. Außerdem muss ein ständiger Zahnabrieb gewährleistet sein. Fertigfutter aus dem Handel ist meistens viel zu energiereich und sorgt für eine Verfettung der Zwergkaninchen, wodurch ernste gesundheitliche Probleme drohen.

Lebenserwartung

Die kleinen Tiere haben eine Lebenserwartung, die gewöhnlich zwischen 7 und 10 Jahren liegt. Überzüchtungen und eine schlechte Haltung sowie Krankheiten können die Lebenserwartung allerdings auch verkürzen.

Sozialverhalten

Zwergkaninchen dürfen niemals einzeln gehalten werden! Anfänger sollten sich erstmal nur zwei Tiere holen, Experten können auch kleinere Gruppen mit mehr Tieren halten. Sehr harmonisch ist die Haltung von einem kastrierten Rammler und einem Weibchen. Mehrere Weibchen zu halten ist meistens nicht so gut, weil sich diese nach der Geschlechtsreife oft nicht mehr vertragen. Unkastrierte Rammler sollte man ebenfalls nicht zusammen halten, da auch hier Stress vorprogrammiert ist.

Geschlechtsreife

Die Geschlechtsreife bei Zwergkaninchen beginnt ab der zehnten bis zwölften Woche. Es gibt aber auch frühreife Tiere, welche sich bereits nach acht Wochen für das andere Geschlecht interessieren.

Tragzeit

Nach einer Tragzeit von etwa 30 Tagen bekommen Zwergkaninchen in einem Wurf meistens drei bis sechs Jungtiere.

Rassetypische Gesundheitsprobleme

Bei den Zwergkaninchen handelt es sich um eine spezielle Zuchtform des Hauskaninchens, die speziell auf eine geringe Körpergröße hin gezüchtet wurde. Entscheidend ist dabei der sogenannte Zwergfaktor, über den die typischen Körpermerkmale (gedrungener Körperbau, rundlicher Kopf und kleinere, aufrechtstehende Ohren) vererbt werden.

Aufgrund von Genetik und der besonderen Anatomie gibt es bei Zwergkaninchen besondere Gesundheitsprobleme. Da der Zwergfaktor bei homozygoter Vererbung immer tödlich für den Nachwuchs ist, dürfen Zwergkaninchen, die jeweils den Zwergfaktor im Erbgut tragen, nicht miteinander verpaart werden.

Aufgrund der charakteristischen Anatomie sind Zwergkaninchen zudem besonders anfällig für Hitze. Während Kaninchen generell schon als hitzeempfindliche Tiere gelten, ist diese Problematik bei Zwergkaninchen noch einmal deutlich verstärkt. Hintergrund dafür ist, dass die Regulierung der Körpertemperatur bei ihnen weniger gut funktioniert.

Alle Kaninchen geben überschüssige Körperwärme über die Fläche ihrer Ohren ab. Aus diesem Grund besitzen Kaninchenrassen, die in der Natur in wärmeren Gebieten vorkommen, tendenziell größere Ohren. Da bei Zwergkaninchen die Ohren im Verhältnis zur Körpergröße allerdings deutlich kleiner sind, können sie dadurch auch weniger Wärme abgegeben.

Ein weiteres System der Wärmeregulierung funktioniert über die Atmung. Aufgrund der kleineren, rundlichen Kopfform ist auch der Atemtrakt kleiner, wodurch auch hier der Wärmeaustausch noch einmal reduziert ist. In der Folge vertragen Zwergkaninchen Umgebungstemperaturen von über 30 Grad Celsius sehr schlecht. Im schlimmsten Fall droht eine Überhitzung, die oft tödlich endet.

Die ideale Umgebungstemperatur liegt für Zwergkaninchen deshalb bei 15 bis 20 Grad Celsius. Bereits ab 20 bis 25 Grad Celsius beginnt ihr Körper sich vor einer drohenden Überhitzung zu schützen und ihre Atemfrequenz erhöht sich, um so mehr Wärme abgeben zu können. Steigt die Temperatur weiter an, erhöht sich die Atemfrequenz weiter bis die Tiere schließlich zu hecheln beginnen. Dies ist mit einem enormen Stress verbunden.

Zwergkaninchenrassen

Zwergkaninchen kann man in verschiedene Rassen unterteilen, an deren speziellen Merkmalen sich auch die Zucht orientiert.

Hermelinkaninchen

Beim Hermelinkaninchen handelt es sich um eine Zwergkaninchenrasse mit komplett weißem Fell und roten oder blauen Augen. Die Tiere werden etwa ein bis anderthalb Kilogramm schwer. Hermelinkaninchen sind quasi die ursprünglichen Zwergkaninchen, da ihre charakteristischen Körpermerkmale – breiter, gedrungener Körper mit kurzem, dicken Kopf – durch eine genetische Mutation, den sogenannten Zwergfaktor, hervorgerufen werden. Hermelinkaninchen wurden deshalb vielfach für die Zucht von weiteren Zwergkaninchenrassen verwendet.

Farbenzwerge

Farbenzwerge gelten als die „typischen“ Zwergkaninchen. Sie werden etwa ein bis anderthalb Kilogramm schwer und kommen in den verschiedensten Farben vor. Die Rasse stammt ursprünglich aus den Niederlanden und wurde dort in den 1930er Jahren durch Kreuzung von Wildkaninchen mit Hermelinkaninchen gezüchtet. Farbenzwergkaninchen gibt es sowohl mit kurzem als auch langem Fell.

Fuchszwerge

Fuchszwerge gehören zu den langhaarigen Kaninchenrassen. Die auch als Zwergfuchskaninchen bekannten Tiere werden etwa ein bis anderthalb Kilogramm schwer. Ihr Fell unterliegt einem jahreszeitlichen Haarwechsel, was die Fellpflege durch den Halter deutlich erleichtert. Fuchszwerge wurden in den 1970er Jahren erstmals in Deutschland durch Kreuzung von Hermelinkaninchen mit den größeren Fuchskaninchen gezüchtet.

Jamora

Jamorakaninchen sind eine besonders junge Zwergkaninchenrasse, die erstmals 1985 in Deutschland gezüchtet wurde. Jamora sind etwas größer als andere Zwergkaninchen und erreichen ein Gewicht von etwa zwei bis zweieinhalb Kilogramm. Kennzeichnend für diese Rasse ist das lange Fell mit der schwarz-gelb bunten Färbung.

Löwenkopfzwerge

Die auch als Löwenköpfchen bekannte Zwergkaninchenrasse ist noch relativ jung und wurde erst 2014 vom Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter (ZDRK) in den Standard aufgenommen. Löwenkopfkaninchen ähneln optisch und in Sachen Statur den Farbenzwergen. Im Gegensatz zu diesen besitzen Löwenköpfen allerdings eine charakteristische Mähne am Kopf und im hinteren Rumpfbereich.

Rexzwerge

Rexzwerge sind eine Zwergkaninchenrasse, welche Ende der 1960er Jahre entstanden ist. Die Tiere kennzeichnet ihr etwa zwei Zentimeter kurzes, strukturiertes Fell, das in den verschiedensten Farbenschlägen vorkommen kann. Rexzwerge erreichen ein Gewicht von etwa einem bis anderthalb Kilogramm.

Teddyzwerge

Bei den Teddyzwergkaninchen handelt es sich um eine kleine Kaninchenrasse, die durch ihr langes, weiches und sehr wuschelig aussehendes Fell gekennzeichnet ist. Die Tiere verfügen über einen natürlichen Fellwechsel und müssen deshalb nicht geschoren werden. Teddyzwerge erreichen ein Gewicht von etwa einem bis anderthalb Kilogramm.

Teddywidder

Auch die Teddywidder gehören zu den langhaarigen Teddykaninchen, die durch ihr langes, wuscheliges Fell gekennzeichnet sind. Im Gegensatz zu den Teddyzwergen haben Teddywidder aber die charakteristischen, nach unten hängenden Schlappohren. Mit einem Gewicht von etwa anderthalb bis zwei Kilogramm werden sie zudem etwas größer und schwerer.

Zwergwidder

Die kleinste Rasse unter den Widderkaninchen stammt ursprünglich aus den Niederlanden, wo sie bereits in den 1950er Jahren gezüchtet wurden. Zwergwidder erreichen ein Gewicht von etwa anderthalb bis zwei Kilogramm. Sie kommen in einer Vielzahl von Farben vor und besonders charakteristisch sind die herabhängenden Ohren.

Häufige Fragen zu Zwergkaninchen

Die folgenden Fragen werden bezüglich Zwergkaninchen und ihrer Haltung häufiger gestellt.

Für wen sind Zwergkaninchen geeignet?

Zwergkaninchen brauchen wie alle Haustiere liebevolle Hände und ein möglichst artgerechtes Zuhause. Grundsätzlich sind Zwergkaninchen keine übermäßig anspruchsvollen Haustiere. Kindern die alleinige Verantwortung anzuvertrauen, ist dennoch keine so gute Idee. Besser ist es, wenn die Eltern ebenfalls einen Blick darauf werfen, wie das Kind mit Tieren umgeht und dafür sorgen, dass in der Haltung und Pflege alles richtig gemacht wird.

Wieviel Platz muss vorhanden sein?

Wenn man Zwergkaninchen ein neues Zuhause geben möchte, sollte man vor allem auf einen ausreichend großen Käfig beziehungsweise Gehege achten. Da Kaninchen sehr soziale Tiere sind und deshalb mindestens paarweise gehalten werden sollten, sollte der Platzbedarf nicht unterschätzt werden. Hier darf man sich auch nicht von der verniedlichenden Bezeichnung Zwergkaninchen täuschen lassen, denn am Ende bleiben auch Zwergkaninchen Kaninchen, die aus der Natur an ein bestimmtes Leben angepasst sind.

An der Lebensweise in der Natur orientiert sich auch in der Haustierhaltung der minimale Platzbedarf. Wer an Kaninchen denkt, denkt automatisch an umherhoppelnde, Haken schlagende Wirbelwinde. Für dieses natürliche Verhalten brauchen die Tiere aber auch den nötigen Platz. Die im Handel üblichen Käfige für Zwergkaninchen sind deshalb praktisch immer viel zu klein.

Für eine artgerechte Haltung sollte zwei Zwergkaninchen eine Grundfläche von mindestens vier Quadratmeter (zum Beispiel 2 m x 2 m) zur Verfügung stehen. Je weiterem Zwergkaninchen erhöht sich die benötigte Grundfläche um zusätzliche 20 Prozent. Mehr Platz ist natürlich im Sinne einer artgerechten Haltung immer besser. Auch an eine ausreichende Mindesthöhe von 60 Zentimetern sollte gedacht werden.

Welche Pflege brauchen die neuen Mitbewohner?

Zwergkaninchen gelten zwar als relativ Pflegeleicht, eine artgerechte Pflege ist jedoch trotzdem wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere. Neben den regulären Aufgaben wie Füttern, Käfigreinigung und Auslauf spielt auch die Fellpflege eine wichtige Rolle. Langhaarige Zwergkaninchen müssen in regelmäßigen Abständen gebürstet werden, bei kurzhaarigen Rassen muss man lediglich während des Fellwechsels Fellpflege betreiben. Wichtig ist zudem auch die Krallenpflege.